Fargesia ist immergrün und ausgepflanzt winterhart bis −20 °C, unter idealen Bedingungen auch mehr. Unsere Mutterpflanzen stehen das ganze Jahr im Freiland unserer Baumschule in Bad Zwischenahn – norddeutsche Winter kennen sie also. Trotzdem bekommen wir jedes Frühjahr Fotos von braunen Blättern mit der Frage: „Ist mein Bambus erfroren?“ Meistens lautet die Antwort: nein. Der häufigste Winterschaden am Bambus ist kein Frostschaden, sondern ein Trockenschaden – und der lässt sich vermeiden.
In diesem Ratgeber erfährst du, was dein Bambus im Winter braucht: im Garten wenig, im Kübel etwas mehr Aufmerksamkeit.
Was im Winter mit deinem Bambus passiert
Drei Dinge sind normal und kein Grund zur Sorge:
Laubverlust im Herbst. Je nach Sorte verliert Fargesia im Herbst 20 bis 80 Prozent seiner Blätter. Die Pflanze zieht Nährstoffe aus den Blättern in die Halme zurück; im Frühjahr wächst frisches Laub nach.
Eingerollte Blätter. Bei Frost, Wind oder Trockenheit rollen viele Fargesia-Bambusse ihre Blätter ein. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus gegen Verdunstung und kein Schaden – bessern sich die Bedingungen, entrollen sich die Blätter wieder. Fargesia rufa rollt das Laub übrigens praktisch nicht ein und wirkt deshalb auch an Frosttagen frisch.
Ausreifen der Halme. Ab August bereitet sich der Bambus auf den Winter vor: Die Halme reifen aus. Deshalb gibt es nach August auch keinen Dünger mehr.
Und eines ist nicht normal, aber leicht zu verstehen: die Frosttrockenheit. Bambus verdunstet über seine vielen Blätter das ganze Jahr Wasser – auch im Winter. Ist der Boden gefroren, kann die Pflanze kein Wasser nachziehen; Wintersonne und Wind entziehen den Blättern zusätzlich Wasser. Die Folge sind braune oder gelbe Blätter, manchmal auch braune Halme. Nicht der Frost allein ist das Problem, sondern der Wassermangel bei gefrorenem Boden. Genau hier setzt die Überwinterung an.
Bambus im Garten überwintern
Ausgepflanzter Bambus braucht im Winter wenig. Im Gartenboden sind die Wurzeln besser vor Frost geschützt als im Kübel, und die Winterhärte von −20 °C gilt genau für diesen Fall.
Gießen – auch im Winter
Das Wichtigste zuerst: Gieße deinen Bambus auch im Winter, und zwar an frostfreien Tagen. Weil Fargesia über die Blätter ständig Wasser verdunstet, darf der Boden nicht austrocknen. Es gilt dieselbe Regel wie im Sommer: lieber etwas seltener, dafür ausreichend und durchdringend. Staunässe vermeidest du trotzdem. In den ersten Standjahren ist das besonders wichtig, denn Fargesia ist ein Flachwurzler und hat keine tiefen Wasserreserven.
Ab August nicht mehr düngen
Die letzte Düngergabe bekommt Bambus Anfang August. Danach reifen die Halme aus, späterer Dünger verlängert die Wuchsphase. Dadurch können die Halme bis zum ersten Frost nicht ausreifen und frieren runter. Weiter geht es erst im März/April mit der ersten Frühjahrsgabe Bambusdünger.
Nicht im Herbst schneiden
Lass deinen Bambus über den Winter so, wie er ist. Ein Rückschnitt ist bei Fargesia nicht zwingend nötig; wenn du die Form korrigieren möchtest, ist das Frühjahr (März/April) die richtige Zeit. Braune Blätter oder Halme nach dem Winter schneidest du erst einmal nicht ab – warum, liest du weiter unten.
Standort und Pflanzzeit
Bambus steht am liebsten windgeschützt. Wind und Wintersonne sind die Verstärker der Frosttrockenheit; wer jetzt noch pflanzt, wählt also am besten einen geschützten Platz. Der Herbst (September/Oktober) ist eine gute Pflanzzeit. Wie du pflanzt, steht Schritt für Schritt in unserer Pflanzanleitung.
Jungpflanzen im 9-cm-Topf
Jungpflanzen im 9-cm-Topf sind im ersten Winter empfindlicher als etablierte Pflanzen im 3-Liter-Topf, weil der kleine Ballen schneller durchfriert. Pflanze sie deshalb vor dem ersten Winter aus – oder topfe sie in einen größeren Kübel um (siehe unten).
Bambus im Kübel überwintern – beachte im Kübel Folgendes!
Im Kübel ist die Frosthärte geringer als im Garten, weil der Wurzelballen durchfrieren kann. Die −20 °C gelten für ausgepflanzten Bambus. Mit ein paar Handgriffen kommt dein Kübelbambus trotzdem draußen gut durch den Winter:
1. Standort wechseln. Stell den Kübel an einen Platz ohne Wintersonne und ohne kalten Wind – zum Beispiel an eine Hauswand, die im Winter im Schatten liegt. Sonne und Wind verstärken die Verdunstung auf dem Blatt, während der Ballen gefroren ist. Ins warme Haus gehört Fargesia nicht, auch nicht in den dunklen Schuppen.
2. Den Kübel einpacken. Umwickle den Kübel mit Vlies, Luftpolsterfolie oder Jute und stelle ihn auf eine Styroporplatte, damit die Kälte nicht von unten in den Ballen zieht. Bei länger anhaltenden Frostphasen kannst du auch den ganzen Bambus einpacken. Hierfür gibt es mittlerweile Säcke aus Vlies, die du bequem über den Bambus ziehst. WICHTIG: Nachdem die Frostphase vorbei ist, den Sack wieder abnehmen. Das Laub braucht Licht. Außerdem kann es zu Schimmelbildung kommen, wenn der Bambus den ganzen Winter eingepackt ist! Das wollen wir vermeiden.
3. An frostfreien Tagen gießen. Auch im Kübel gilt: Der Ballen darf nicht austrocknen. Gieße an frostfreien Tagen durchdringend. Prüfe dabei, dass die Abzugslöcher frei sind, denn die häufigste Ursache für vertrocknete Blätter im Kübel ist nicht der Frost, sondern Staunässe.
4. Nicht mehr düngen. Wie im Garten: letzte Gabe Anfang August, dann Pause bis März/April.
5. Jungpflanzen umtopfen. Eine Jungpflanze im 9-cm-Topf topfst du vor dem ersten Winter um: in einen Topf mit 30–40 cm Durchmesser bzw. 20–40 Litern, nicht größer – frische Erde ohne Wurzeln bleibt sonst zu lange nass. Verwende frische Kübelerde, zum Beispiel unsere Bambuserde, keine Gartenerde und keinen Mutterboden. Alternativ pflanzt du sie in den Garten aus.
Sortentipp für Balkon und Terrasse: Für windige Standorte wie Dachterrassen und Innenhöfe gelten Fargesia nitida Viking und Fargesia denudata Xian 2 als windtolerant. Fargesia rufa rollt das Laub kaum ein und sieht deshalb auch im Winter frisch aus. Alle kübeltauglichen Sorten findest du unter Bambus für Balkon und Kübel.
Nach dem Winter: Was jetzt zu tun ist
Sieht dein Bambus im März nicht ganz so frisch aus – braune oder gelbe Blätter, vielleicht braune Halme –, dann ist das meist die beschriebene Frosttrockenheit und kein Grund zur Sorge. So gehst du vor:
- Nicht zurückschneiden. Auch wenn es kahl aussieht: Lass die Halme stehen.
- Kratzprobe machen. Kratz die Oberfläche eines Halms vorsichtig an. Ist es darunter grün, lebt der Halm und treibt wieder aus.
- Gießen. An frostfreien Tagen durchdringend wässern, damit die Pflanze den Wasserverlust ausgleichen kann.
- Geduld haben. Der Neuaustrieb kann bis Juni dauern. Braune Blätter musst du nicht entfernen; mit dem Austrieb kommt frisches Laub.
- Im März/April düngen. Die erste Gabe Bambusdünger unterstützt den Austrieb. Wenn du die Form korrigieren willst, ist jetzt auch die Zeit für den Formschnitt.
- Tote Halme entfernen. Halme, die bei der Kratzprobe braun sind und bis Juni nicht austreiben, kannst du dann entfernen.
Welche Symptome sonst noch vorkommen und was dahintersteckt, erklären wir in unserem Ratgeber Bambus wird gelb, braun oder rollt die Blätter ein? Ursachen erkennen und lösen.
Auf einen Blick: Bambus überwintern
Herbst (September/Oktober)
- Letzte Düngung Anfang August – danach nicht mehr düngen
- Jungpflanzen im 9-cm-Topf auspflanzen oder umtopfen
- Kübel an einen Platz ohne Wintersonne und Wind stellen, mit Vlies, Luftpolsterfolie oder Jute umwickeln, Styroporplatte unterlegen
- Nicht schneiden
- Herbstlicher Laubverlust von 20 bis 80 Prozent ist normal
Winter
- An frostfreien Tagen gießen, im Garten wie im Kübel; Staunässe vermeiden
- Bei länger anhaltenden Frostphasen Vliessack über den Kübelbambus, danach wieder abnehmen
- Eingerollte Blätter sind eine Schutzreaktion, kein Schaden
Frühjahr (März/April)
- Kratzprobe statt Schere; gießen; Geduld bis Juni
- Erste Düngung; Formschnitt, wenn gewünscht
- Kübel wieder auspacken
Häufige Fragen
Muss ich Bambus im Winter gießen?
Ja. Fargesia ist immergrün und verdunstet auch im Winter Wasser über die Blätter. Gieße an frostfreien Tagen durchdringend – im Garten und im Kübel.
Kann Bambus im Kübel draußen überwintern?
Ja, wenn der Ballen nicht durchfriert: Kübel mit Vlies, Luftpolsterfolie oder Jute einpacken, auf eine Styroporplatte stellen, Standort ohne Wintersonne und kalten Wind, an frostfreien Tagen gießen. Ins warme Haus gehört Fargesia nicht, auch nicht in den dunklen Schuppen.
Mein Bambus hat nach dem Winter braune Blätter. Ist er tot?
Meist nicht. Mach die Kratzprobe am Halm: Grün darunter heißt, er lebt. Gieße an frostfreien Tagen und warte den Neuaustrieb ab – das kann bis Juni dauern.
Wann schneide ich Bambus zurück?
Wenn überhaupt, im Frühjahr (März/April). Im Herbst und Winter bleibt die Pflanze, wie sie ist.
Warum verliert mein Bambus im Herbst Blätter?
Das ist der normale Laubwechsel: Je nach Sorte fallen 20 bis 80 Prozent der Blätter, die Nährstoffe wandern in die Halme, im Frühjahr kommt frisches Laub.
Wie kalt darf es werden?
Ausgepflanzt verträgt Fargesia −20 °C, unter idealen Bedingungen auch mehr. Im Kübel ist die Frosthärte geringer, weil der Wurzelballen durchfrieren kann – deshalb der Schutz am Kübel.
Du bist unsicher, ob dein Bambus gut über den Winter gekommen ist? Schick uns ein Foto an info@graeserwelten.de, wir schauen es uns an. Beratung vom Gärtnermeister – aus einer Familienbaumschule, die seit 1984 Bambus kultiviert.
Dein Gräserwelten-Team
